top of page

Mikromobilität in Städten: E-Scooter & Co. - "Green Movement" für "Fast Mover"?


Frau mit E-Roller in der Stadt
@ Unsplash

Sie sind aus keiner großen Stadt mehr wegzudenken: Mietbare Kleinst- und Leichtfahrzeuge mit Elektroantrieb wie Segways, Tretroller, E-Roller, E-Bikes, Hoverboards u.a. von diversen Anbietern.

Und die E-Flotten werden immer größer: Verglichen zum Jahr 2019 gab es über 40% Zuwachs z.B. bei elektronisch betriebenen Fahrrädern, Tendenz steigend.

Der Trend ist unaufhaltbar: Die Großstadt-Menschen sehnen sich nach einer alltagstauglichen und nutzerfreundlichen Fortbewegungsmethode. Wer schnell von A nach B kommen will weicht oft auf die günstigen Taxi-Alternativen aus: E-Bikes, E-Roller und Co. sind schnell per App gemietet und kosten nur einen Bruchteil. Abstellen lassen sich die kleinen Geräte auch noch wirklich überall. Auch der Umweltaspekt erscheint vorbildlich, weil emissionsfrei - also, warum nicht? Klingt doch wie die perfekte Lösung für das allgegenwärtige Umwelt-Dilemma, bei dem der Straßenverkehr keine unwichtige Rolle spielt: Rund 888 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) wurden 2018 in der EU durch die Verbrennung von Kraftstoffen im Straßenverkehr ausgestoßen. Pkw und Motorräder verursachten mit 25 % den zweitgrößten Teil der Emissionen, nach Energie und Wärmeerzeugung mit 42 % und vor Industrie mit 19% (Quelle: Statista).

E-Scooter und Mikromobilität: Auswirkungen auf die Umwelt – sind sie wirklich so “grün”?


Die durchschnittlichen Emissionen pro Kraftfahrzeug verringern sich seit 2018 zwar kontinuierlich, auch durch den Einsatz von mehr Hybriden und Elektroautos - dennoch hebt das "mehr" an Fahrzeugen im Straßenverkehr aktuell diesen Effekt wieder auf. Die Emissionen verringern sich zwar durch die Verwendung von Elektrofahrzeugen im Mikro-Bereich, teilweise aber nur in Ballungsräumen wie Großstädten. Für die Herstellung von Mikromobilitätsfahrzeugen (für den Akku und weitere Teile des elektronischen Antriebs) werden Treibhausgase emittiert, die erst auf den Lebenszyklus des Fahrzeugs gerechnet, diese nach Jahren der Nutzung wieder ausgleichen. Voraussetzung für diese Rechnung ist allerdings auch eine gewisse Lebensdauer der Mini-Roller.

Außerdem besteht der Strommix regenerativem Energieanteil in Deutschland bei aktuell 42,5% im 1. Quartal 2021 laut Fraunhofer Institut für Solare Energie Systeme, für eine Neutralität müssten es 100% sein – daher ist die Strombeschaffung für das Laden des Akkus zurzeit noch eher “grün gedacht”, als “grün gemacht”.

Seit 2019 wurden deutsche Großstädte regelrecht von den kleinen Elektro-Vehikeln überladen, gerade von E-Tretrollern, die Anbieterzahl ist riesig. Hier sind intelligente Ladestationen gefragt und eine limitierte Anzahl an Geräten gefordert - bestenfalls angepasst an den tatsächlichen Gebrauch. Durch die wenig kalkulierte Bereitstellung von Tretrollern in Massen scheint der Umweltaspekt zudem mehr als fragwürdig.


Hat der Mikromobilitäts-Trend mit voraussichtlich weiterem Ausbau das Potenzial die Emissionsfrage im Straßenverkehr zu lösen?


Der Hype verlangt nach mehr sicherem Platz in deutschen Städten


Fakt ist: Die Mikromobilität in Städten wird sich weiter entwickeln. Nationale Aktionen, z.B. durch den “Bundesweiten Fahrradclub” und dem “Verkehrsclub Deutschland” zeigen nicht nur auf, wie laut der Ruf nach Mobilität ist, sondern auch, dass es darüber hinaus Bedarf nach sicherem Platz für E-Scooter und E-Roller gibt. In den meisten deutschen Großstädten sind Fahrradwege Mangelware, oder schlecht gekennzeichnet. Schwere Unfälle sind die Folge, da hier Autos und schwere Kraftfahrzeuge auf meist ungeschützte Roller bzw. E-Rollerfahrer treffen. Jeder kennt zudem auch das mulmige Gefühl, wenn man als Rollerfahrer/Biker auf die Straße ausweichen muss, weil es keine Alternativen gibt. So mehrt sich leider die Unfallstatistik mit den kleinen Flitzern. Einige Städte reagierten auf die vermehrte Nutzung von Fahrrädern mit sogenannten Pop-Up-Radwegen. Pop-Up bezeichnet einen Radweg, der ohne große Planungszeit und nur für einen temporären Zeitraum erschaffen wird. Für diesen müssen andere Flächen kurzfristig weichen - beispielsweise Außenbereiche von Gastronomie, Auto-Parkplätze oder Fahrspuren.


3 E-Scooter und ein Fahrrad auf dem Gehweg abgestellt
Foto: Markus Spiske

Macht dem Fahrrad Konkurrenz: E-Scooter (wegen Bequemlichkeit oder Platzmangel gerne mal kreuz und quer auf Gehwegen abgestellt).


Festzuhalten ist, dass die kleinen Flitzer mittlerweile sehr gut angenommen werden. Lösungen zur Infrastruktur werden deshalb auch zunehmend von der Politik gefordert. Diese gerät durch das große Echo und die explodierende Anzahl von Geräten und Anbietern immer mehr in den Zugzwang. Auch der Kritik einer ausnahmslos "Autofreundlichen Politik in der Vergangenheit" wird sich zunehmend gestellt. Der Bedarf an Platz auf den Straßen steigt nicht zuletzt durch die Zuwanderung in einigen Städten und der damit erhöhten Verkehrsteilnahme. Der Kontrast ist aber auch teilweise groß: Während manche Städte im Mikromobilitäts-Angebot versinken, wäre man andernorts froh um die Möglichkeit einer Nutzung. Es scheint, als brächte das Thema "Platz für Mikromobilität" nicht in allen Städten unbedingt ein Wahlversprechen ein. Heiß diskutiert wird es dennoch- in einigen Kommunen wird es auch - mal mehr, mal weniger erfolgreich - umgesetzt. Beispielsweise mit eigens gekennzeichneten Wegen und Parkflächen.


Fünf E-Roller auf einem Parkplatz vor einem historischen Gebäude
Foto: Christina Spinnen

Mittlerweile häufiger in Städten zu sehen - eigene Parkflächen für E-Scooter.



Movement mit vielversprechenden (Umwelt-)Aussichten? - das Fazit zu E-Scooter und Co.


Das wachsende Angebot von Mikromobilität lässt aktuell bestenfalls die erreichten Emissionswerte stagnieren, jedoch bietet es ungenügend Potenzial zum Klima-Ausgleich und unzureichend Volumen, denn Mikromobilität deckt nur einen Teil-Aspekt des Straßenverkehrs.

Zudem geht die Rechnung aktuell nicht ganz auf: Bedarf und Bestand sind nicht ausgeglichen. Es benötigt intelligentere Kalkulationen der Nutzungseigenschaften sowie qualitativ hochwertige Geräte, die eine lange Lebensdauer erreichen und eine optimale Nutzung gewährleisten. Darüber hinaus relativiert sich der Umweltaspekt stark, wenn hypothetisch das Angebot des E-Rollers bevorzugt genutzt wird, wenn doch das des Fahrrads emissionsfrei ist. Großangelegte Studien messen national die Alltagstauglichkeit des Mikro-Movings, das sich die letzten Jahre fest in unser Stadtbild integriert hat – allerdings mit Fokus auf die Nutzbarkeit und wenig Hinterfragung des Klima-Aspekts - grad in puncto Langlebigkeit. Doch wir haben mit den mikromobilen E-Fahrzeugen eine gute Ergänzung zur Fortbewegung in Städten. Der "constantly accesible and affordable" Gedanke bringt ein neues Freiheitsgefühl in der Mobilität und trägt zur Lebensqualität bei. Doch sollte einem klar sein: Es gibt definitiv emissionsärmere Fortbewegungsmethoden - Beispiel Leihstationen für Fahrräder ohne Elektroantrieb. Auch Jahre seit Beginn der Nutzung von elektronsichen Mikro-Fortbewegungsmitteln sind sichere Wege und Plätze zum Abstellen ausbaufähig. Auch hier gilt: Hype und Trend sind Anfangsboten einer Bewegung, ihre Etablierung benötigt Reflektion und Bewusstsein für alle Aspekte. Für mehr Freiheit im Vorankommen auf sicheren Wegen für alle.

Comentários


Os comentários foram desativados.
bottom of page