top of page

Kooperation mit der TU München: Forschung braucht anwendbare Konzepte


It's a Match! Wenn beide Parteien voneinander profitieren können und gemeinsam mit ihren Fähigkeiten etwas bewegen. Hier greifen Forschung und anwendbare Konzepte ineinander. Wir haben Herrn Professor Jaensch in seinem Institut der Technischen Universität München besucht und gemeinsam mit unserem Geschäftsführer Michael Hunold ein Interview geführt. Über interessante Einblicke in die Arbeit des Lehrstuhls, den Wunsch gemeinsam Großes zu bewegen, das Mindset als Fundament für die Zusammenarbeit sowie gemeinsame Ziele.


Prof. Dr. Jaensch
Prof. Dr. Jaensch

Professor Dr. Malte Jaensch leitet seit 2021 den Lehrstuhl für Nachhaltige Mobile Antriebssysteme der Technischen Universität München. Er und sein Team forschen technologieoffen auf dem Gebiet der nachhaltigen Mobilität.





Michael Hunold
Michael Hunold

Michael Hunold ist Geschäftsführer der seit März 2021 bestehenden GABO Consulting.

Gemeinsam mit seinem Team bietet er technische und strategische Lösungen für Unternehmen, um sie nachhaltig erfolgreicher zu gestalten.







Herr Professor Jaensch, wie kam es dazu, dass Sie die Position des Ordinarius am Lehrstuhl für “Nachhaltige Mobile Antriebssysteme“ an der TUM übernahmen?

Professor Jaensch: Zu meiner Arbeit hier am Lehrstuhl kam ich über den üblichen Weg: ich habe mich beworben und meine Ideen vorgestellt. Vorher war ich über achteinhalb Jahre bei Porsche Engineering als Leiter für elektrische Antriebe tätig und kann auf einen erfolgreichen Aufbau in diesem Bereich bei Porsche blicken. Nach meinem beruflichen Erfolg hatte ich große Lust auf eine neue, attraktive Herausforderung mit starken Entwicklungschancen und sah mich entweder in einem Start-Up oder in einer Karriere an der Uni. Aus familiären Gründen habe ich mich dann für die Professur an der TUM entschieden.


Der Lehrstuhl für „Nachhaltige Mobile Antriebssysteme“ hat eine weitreichende Geschichte und geht bis ins Jahr 1936 zurück. Können Sie kurz den Wandel und die Veränderung der Forschungsschwerpunkte erläutern?

Professor Jaensch: Genau, die Ausrichtung lag die letzten Jahre auf Verbrennung und bis in die 2000er Jahre war das ja noch recht unkritisch. Damals wurde Elon Musk noch als Spinner abgetan, der irgendwas mit Laptop-Batterien macht. Doch bald war abzusehen, dass man mit Verbrennern auf lange Sicht Probleme bekommen wird. Mein Vorgänger am Lehrstuhl hat zum damaligen Zeitpunkt den richtigen Schritt unternommen und sich innerhalb des Themengebietes der Verbrennungsmotoren neu orientiert. Ziel war es, sich neu auszurichten, ohne sich thematisch einzuschränken. Die TUM hatte als technische Universität ihre Schwierigkeiten damit, Traditionen loszulassen und damit auch die Thematik des Verbrenners. Doch immer mehr Stimmen wurden laut, das Thema sei tot. So wurde innerhalb der Universität die neue Ausrichtung beschlossen, die sich nun mit elektrischen Maschinen und der Brennstoffzelle beschäftigt und Mobilität und Antrieb im Fokus stehen.


Können Sie uns sagen, welche Visionen Sie für die Zukunft Ihres Lehrstuhls haben und wo sich mögliche Schwerpunkte abzeichnen?

Professor Jaensch: Visionen haben wir, ja, diese sind noch nicht final, aber wir kennen bereits die Richtung zu der ich gerne Einblicke in aktuelle Fragestellungen gebe. Herangehensweise ist die, dass ich bei neuen Herausforderungen vorhandene Rahmenbedingungen betrachte: Ich habe den Lehrstuhl mit dem Titel "Nachhaltige mobile Antriebssysteme", dann diese abgeschiedene Örtlichkeit mit viel Platz, ein Gebäude mit Prüfständen und eine gewisse Historie von Verbrennungskraftmaschinen sowie unser Personal. Nun stellt sich die Frage: "Was verlangt dieser breit aufgestellte Titel: Nachhaltige mobile Antriebssysteme“? Als Ressourcen stehen mir gewisse Kompetenzen sowie eine Infrastruktur zur Verfügung, die ich optimal nutzen möchte. Was bedeutet das konkret? Würde man das Gebiet der Verbrennungsmotoren wegschneiden, würde man einen großen Kompetenzraum weglassen und damit viel Sinnvolles, das in der Zukunft noch an Wichtigkeit gewinnen wird. Andererseits kann ich natürlich nicht weiter machen wie bisher, das würde den Anforderungen nicht gerecht werden. Thematische Festlegungen wie: „Verbrennungsmotoren mit Biokraftstoff“ würden zu stark einschränken. Also muss ich einen Weg finden, vorhandene Gegebenheiten in reduzierter, aber offener Form weiterzuführen.


Um die Vorgehensweise und die jeweiligen Fragestellungen genauer zu erläutern, nutze ich an dieser Stelle unser Drei Säulen Modell: Die erste Säule stellt die Verbrennungsmotoren dar, die zweite Säule elektrische Antriebe, die dritte Säule steht für Wasserstoffmobilität und dazu kommt die vorhandene Infrastruktur. Unser Fokus liegt inhärent auf Praxis, Messung, auf Versuchen und auf Prototypen. Simulation ist hier ein essentieller Bestandteil, gerade in Verbindung mit Versuchen. Diese Elemente lassen sich zusammenfügen und ergeben dann die Strategie.

Also, Drei Säulen wie gehabt: Verbrenner mit nachhaltigen Kraftstoffen, E-Antrieb, und die Wasserstoffmobilität. Vorhandene Grundlagen habe ich mit Prüfständen, Methoden und Fähigkeiten. Damit die Säulen nicht dastehen wie eine Akropolis ohne Dach, verbinden Elemente wie Mobilität und Energie das Konstrukt. Nun, wie passen sie zusammen? Oder wie funktionieren Stromgenerator und Energie mit dem Aspekt der Umwelt? Wie erzeuge, speichere, transportiere, wandle und verbrauche ich Energie für Mobilität und wie bedingt das eine das andere? Wie bedingt die Energiewende die Mobilitätswende und andersherum? Was macht in diesem Kontext Sinn, was nicht und was wird vielleicht irgendwann Sinn machen und wie sind die Begebenheiten? Das sind die Fragestellungen und Thesen mit denen wir uns aktuell beschäftigen.


Frage an Michael Hunold: Bezugnehmend auf die Tätigkeitsfelder der GABO Consulting, Wie kam es zu der Idee einer Partnerschaft mit der TUM?

Michael Hunold: Da gibt es mehrere, entscheidende Faktoren: Wir als Unternehmensberatung mit technologischem Fokus haben zum Ziel, immer nah an der Technik und an der Forschung zu sein. Für uns ist der aktuellste Stand bei Forschung und Entwicklung zu Technologien enorm wichtig, um unseren Kunden die besten technischen und strategisch wertvollen Lösungen als Ingenieure: innen bieten zu können. Was dieses Vorhaben letztendlich möglich macht und für uns das fehlende Puzzleteil liefert, deckt sich mit dem, was Herr Professor Jaensch mitbringt: Prototypisch über neue Technologien nachzudenken, sowie über das, was Teil dieser Lösung sein kann. Und was gerade für uns noch diesen sehr guten Fit ergibt ist das Mindset des Lehrstuhls durch Herrn Professor Jaensch, so wie dessen Ausrichtung: In Lösungen zu denken, die am Ende des Tages gebraucht werden. Und das ist genau was wir hier tun: praxisnahe Forschung.


Herr Professor Jaensch, was hat Sie überzeugt mit der GABO Consulting eine langfristige Partnerschaft mit Ihrem Institut einzugehen? Gab es vielleicht sogar Punkte, die sie besonders überzeugt haben?

Professor Jaensch: Nach der ersten Kontaktaufnahme war ich von den positiven Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit überzeugt. Auch das bereits von Herrn Hunold angesprochene Mindset stellt auch für mich einen wichtigen Aspekt dar. Dass unsere Aufgaben genau das ergänzen, was sich die GABO Consulting auf die Fahne geschrieben hat: Ein technisches Konzept in das betriebswirtschaftliche überzuführen. Genau das ist der Punkt, wo es bei uns aufhört, da wir eine „reine Technikerbude“ sind und uns deshalb auch der enge Bezug zum späteren Produkt fehlt. Wir sind keine Produktentwickler, wir entwickeln Konzepte für Produkte und Prototypen, aber die letzten wichtigen Schritte der Entwicklung, so etwas wie zuerst eine Kleinserie zu produzieren, danach die Großserie – das sind so Themen, die sind nicht mehr Teil des Lehrstuhls, weil wir stark nach vorne gelagert agieren.


Das heißt, es ist einerseits eine optimale Ergänzung in unserer gemeinsamen Arbeit, wenn wir innerhalb der Produktentwicklungskette von vorne nach hinten denken. Und andererseits arbeite ich gerne mit Menschen, die ähnlich ticken. Zudem bringt es viele Vorteile mit sich, weil man mit einer kleinen Firma wie der GABO Consulting recht unbürokratisch und dynamisch zusammenarbeiten und sich austauschen kann. Gegenüber der Zusammenarbeit mit großen namhaften Firmen genießen wir zudem einen großen rechtlichen Vorteil.


Prof. Dr. Jaensch vor einem Fahrzeug
Prof. Dr. Jaensch, Leiter des Lehrstuhls für Nachhaltige Mobile Antriebssysteme
"Das technische Konzept in das betriebswirtschaftliche überzuführen ist genau der Punkt, an dem sich die GABO Consulting und der Lehrstuhl ergänzen. Wir sind im Lehrstuhl eben eine reine Technikerbude und keine Produktentwickler."








Inwiefern grenzen die Vorteile einer Partnerschaft mit einem kleinen Unternehmen wie der GABO Consulting von der mit einem Großunternehmen, wie beispielsweise der BMW Gruppe, ab?

Professor Jaensch: Das ist natürlich auch abhängig von der Themenstellung. Wenn ich mit BMW unterwegs bin, dann arbeite ich mit speziellen Fachabteilungen, die sich sehr konzentriert mit bestimmten Themen auseinandersetzen, zusammen. Diese Fachabteilungen hängen wiederum an weiteren Abteilungen des Konzernarms. Dort existieren dann vorgegebene und engere Blickwinkel für spezielle Themenstellungen mit Expert: innen innerhalb dieses Gebiets. In der Praxis werden solche Themenstellungen dann weiter in diversen Detail-Dimensionen betrachtet. So eine Art von Vorgehen ist absolut legitim und hat definitiv ihre Daseinsberechtigung, vor allem unter universitären Gesichtspunkten.


Bei einem Unternehmen wie der GABO Consulting sind andere Themenstellungen im Fokus. Da geht es beispielsweise nicht um das Teil des Außenspiegels, sondern um das ganze Fahrzeug an sich und schließt beispielsweise das gesamte Nutzungskonzept mit ein. Das heißt, hier bin ich auf Ebenen unterwegs, die viel breiter und ganzheitlicher gefasst sind und im Detail unausweichlich nicht in die Tiefe gehen können, wie es beispielsweise bei BMW in einer Forschungsarbeit platziert werden würde. Es ist schön, breite und spezifische Forschung mit ihren Eigenschaften zu betrachten und Synergien herzustellen. Und das hilft auch enorm, vom Kleinen ins Große zu denken – vom Einzelteil zum Gesamten. Mit verschiedenen Playern zusammenzuarbeiten mit unterschiedlichen Projekten macht die Arbeit enorm spannend und abwechslungsreich.


Herr Hunold, möchten Sie noch etwas aus der Sicht der GABO Consulting ergänzen?

Michael Hunold: Ja, gerne. Das ist, was uns ausmacht: Da wir ein kleines Unternehmen sind, können wir Entscheidungen schnell herbeiführen, entsprechend dynamischer handeln, als es Großkonzerne können. Quasi „schnell mal ein Projekt machen, weil wir beide an ein gutes Ziel glauben“. Wie Herr Dr. Jaensch vorhin bereits erwähnt hat, haben wir eine holistische Betrachtungsweise. Beispielsweise machen gewisse Kundenanforderungen die Betrachtung des Gesamtkonzepts eines Fahrzeugs notwendig und dabei machen wir uns nicht zum Ziel, alte Technologien zwangsläufig neu zu transformieren. In der gesamtheitlichen Betrachtung erschließen sich sinnvolle Lösungen mit offenem Lösungsweg. Erschaffe ich etwas neu, oder nutze ich vorhanden Potenziale? Dazu haben wir die Freiheiten und auch den Kundenbedarf. Das ist dann natürlich sehr spannend, sowohl technologieseitig auf die Metaebene zu gehen und von diesem Punkt aus einen Schritt weiter zu gehen und zu überlegen: Wie sieht ein neues Geschäftsmodell aus? Betrachte ich die tiefere Ebene: Welche technischen Aspekte brauchen wir als Enabler? Wo kann ein Lehrstuhl, wie der von Herrn Dr. Jaensch zuliefern und wie können wir seine Forschung optimal einbinden.



Michael Hunold vor dem Firmenlogo der GABO Consulting
Michael Hunold, Geschäftsführer GABO Consulting

"Als kleines Unternehmen können wir dynamisch handeln und Entscheidungen schnell herbeiführen. Durch unsere holistische Betrachtungsweise erschließen sich sinnvolle Lösungen mit offenem Lösungsweg:

Erschaffe ich etwas neu, oder nutze ich vorhandene Potenziale? Dazu haben wir die Freiheiten und auch den Kundenbedarf."




Nun noch die Frage an beide, einmal aus Sicht einer Unternehmensberatung und aus der Sicht des Lehrstuhls: Welche Gemeinsamkeiten haben die GABO Consulting und das Institut für Nachhaltige Mobile Antriebssysteme der TUM als Basis für die gemeinsame Arbeit

Professor Jaensch: Also was man nicht unterschätzen darf ist als Basis die geografische Gemeinsamkeit mit Sitz in München. Weitere Punkte unterstreichen die Zusammenarbeit positiv: Unternehmensgröße, die Aufstellung, das gemeinsame Mindset, praktische Denkweisen sowie eine gesamthafte Betrachtung. Nachhaltige Mobilität ist unser breites Spektrum, genau wie die GABO Consulting als Geschäftsmodell nicht nur eine Art Produkt als Teil des Geschäftsmodells betrachtet. Das sind alles Schnittpunkte, in denen ich mich wiederfinde. Und daraus resultiert eine gewisse Bereitschaft sich per se mit allem zu beschäftigen, was entfernt dazu passen könnte. Und da schließt sich der Kreis mit unserer gemeinsamen Denkweise, dass wir etwas bewegen und erschaffen wollen, etwas verändern und es anders machen wollen.


Michael Hunold: Das sehe ich genauso, das haben wir direkt in den ersten Gesprächen gemerkt, dass wir uns gut ergänzen. Auch in der Vorstellung dessen, wie etwas entsteht. Maßgebend ist hier die gemeinsame Blickrichtung in unserer Zusammenarbeit: Wir schauen beide gerne noch einen Schritt weiter und wir versuchen starke Mehrwerte zu generieren, unabhängig vom ursprünglichen Standpunkt und Auftrag. Das ist entscheidend.





Comments


bottom of page